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Bin ich süchtig? Habe ich Sucht?

Bin ich süchtig? Warum die eigene Frage oft schon ein Hinweis ist

Veröffentlicht am 05. August 2025

Die Antwort darauf kennen letztlich nur Sie selbst – und oft lautet sie bereits: „Ja.“ Wer sich überhaupt die Frage stellt, ob eine Suchterkrankung vorliegen könnte, hat dafür in der Regel einen wichtigen und nachvollziehbaren Grund. Schon das Innehalten und die ehrliche Selbstreflexion sind erste bedeutsame Schritte auf dem Weg zur Veränderung.

Liegt bei mir eine Suchterkrankung vor? Mit dieser Frage sind Sie nicht allein. Millionen von Menschen vor Ihnen haben sich genau das Gleiche gefragt und oft lautet sie leise, aber bestimmt: Ja.

Veränderung beginnt häufig dort, wo zum ersten Mal bewusst Fragen entstehen.

Ob es um den Konsum psychotroper Substanzen, exzessive Online-Nutzung, Glücksspiele oder andere süchtig machende Verhaltensweisen geht: Die Grenze zwischen Gewohnheit und Abhängigkeit verläuft oft schleichend. Was mit gelegentlichem Konsum oder Verhalten beginnt, kann sich unmerklich zu einer ernsthaften Suchtkrankheit entwickeln – lange bevor das eigene Bewusstsein diesen Punkt realisiert. Aus medizinischer Sicht beginnt der kritische Verlauf meist früher, als das subjektive Empfinden wahrhaben will.

Prävalenzstudie zu Substanzgebrauchsstörungen (2024)

Zielgruppe: Jugendliche und Erwachsene

Substanz Prävalenzrate (gesamt) Jugendliche (12–17 Jahre) Erwachsene (18+ Jahre)
Alkohol 6,4 % 2,1 % 6,9 %
Cannabis 2,3 % 3,6 % 2,1 %
Tabak 4,8 % *1,4 % 5,1 %
Andere illegale Drogen 0,9 % 0,6 % 0,9 %

Quelle: Eigene Modellierung unter Verwendung der repräsentativen Daten des Epidemiologischen Suchtsurvey 2021 (ESA, Bundesministerium für Gesundheit) sowie ergänzender Angaben des DBDD/WB‑Reports 2020.

* Die höhere Prävalenz von Cannabiskonsum (3,6 %) im Vergleich zum Tabakkonsum (1,4 %) bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren basiert auf 12-Monats-Angaben. Diese Daten beziehen sich auf den Zeitraum eines Jahres und spiegeln keine Lebenszeitprävalenz wider. Laut dem DBDD/REITOX-Bericht 2020 sowie dem Jahrbuch Sucht 2024 liegt der 12-Monats-Konsum von Cannabis bei Jugendlichen bei etwa 8 %, während regelmäßiger Tabakkonsum unter 6 % bleibt – was die Zahlen plausibel erklärt.

Alkoholbedingte Störungen gehören weiterhin zu den häufigsten substanzbezogenen Gesundheitsproblemen in Deutschland – mit einer aktuellen Prävalenzrate von 6,4 %. Auch bei Jugendlichen zeigen sich erste Anzeichen riskanten Konsums. Sie sind also nicht allein – weder mit Ihrer Sorge noch mit dem Wunsch, etwas zu verändern.

Der nächste Schritt? Sprechen Sie darüber. Hilfe ist möglich – und sie beginnt mit dem Mut zur ehrlichen Frage.

Unterstützung bedeutet nicht immer sofort den Ausstieg. Manchmal beginnt Hilfe mit kleinen Schritten – etwa durch anonyme Angebote wie Fixpunkt-Boxen, die Sicherheit im Alltag bieten.

Selbsthilfegruppen – Gemeinsam erste Schritte wagen

Sieben Personen sitzen in einem Raum mit Backsteinwand, in einer Gesprächsrunde, nachdenklich und aufmerksam.

Die hohe Verbreitung von Suchterkrankungen zeigt sich weltweit in der Vielzahl an Selbsthilfegruppen. Allein in Berlin finden über 600 regelmäßige Treffen für suchtkranke Menschen statt. Solche Gruppen bieten einen geschützten Raum für Austausch, Verständnis und Unterstützung – ohne Druck, ohne Verpflichtungen. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe ist für viele Betroffene ein erster, niederschwelliger Schritt – gerade dann, wenn Unsicherheit darüber besteht, ob tatsächlich eine Sucht vorliegt. Denn manchmal braucht es den Austausch mit Menschen um Klarheit zu gewinnen. Zu hören, wie andere diesen Weg erlebt haben, stärkt das Gefühl: Ich bin nicht allein.

Jede Selbsthilfegruppe hat ihren eigenen Charakter und Umgangston. Wenn die erste Gruppe nicht passt, lohnt es sich, weiterzusuchen. Die richtige Gruppe kann ein entscheidender Anker auf dem Weg zur Veränderung sein.

Für die am weitesten verbreiteten Abhängigkeiten – insbesondere Alkohol- und Drogenkonsum – bieten etablierte Selbsthilfeorganisationen wie die Anonymen Alkoholiker oder Narcotics Anonymous einen geschützten Raum der Begegnung, des Zuhörens und des gegenseitigen Verständnisses. Jede und jeder ist willkommen – kostenfrei, anonym und ohne Verpflichtungen.

Vielleicht wirkt ein solches Meeting im ersten Moment ungewohnt – manche kennen es nur aus Filmen oder Vorurteilen. Doch viele berichten, dass sie sich nach dem ersten Besuch erleichtert, verstanden und nicht mehr allein fühlten. Sie müssen nichts sagen, außer – wenn Sie möchten – Ihren Vornamen. Schon das genügt, um Teil der Gemeinschaft zu sein. Probieren Sie es aus: Es könnte der Wendepunkt sein.

Die Krankheit Sucht hat viele Gesichter

Nicht selten überschneiden sich verschiedene Abhängigkeitsformen. Häufig beginnt der Weg in die Sucht schleichend – mit Alkohol, Medikamenten oder Drogen. Doch auch Verhaltenssüchte wie exzessives Arbeiten, Essen (oder Nichtessen), Spielen, zwanghafte Internetnutzung, Sportsucht, Beziehungs- oder Sexsucht sowie ein ausgeprägtes Helfersyndrom können Teil eines umfassenden Suchterlebens sein – körperlich, psychisch und sozial belastend.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Verhalten bereits riskant ist: Im Internet stehen anonyme Selbsttests zur Verfügung – beispielsweise auf drugcom.de. Dort können Sie Ihr Verhalten selbst einschätzen und erhalten auf Wunsch auch individuelle, vertrauliche Beratung.


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