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Chronische Wunden, einschließlich Tumorwunden: Ursachen, Behandlung und Prävention

Veröffentlicht am 06. August 2025

1 Einleitung

Chronische Wunden sind ein Gesundheitsproblem, das Millionen von Menschen weltweit in verschiedenen Lebenssituationen betrifft. In diesem Artikel werden wir uns mit dem Thema der chronischen Wunden befassen, wobei bewusst auf eine medizinische Fachsprache verzichtet wird, um diese komplexe Thematik für ein breites Publikum verständlicher zu machen.

2 Ursachen von chronischen Wunden

Medizinische Fachkraft legt sterile Wundauflage auf den Knöchelbereich eines Patientenfußes.

Chronische Wunden sind langanhaltende, schwer heilende Verletzungen, die Menschen jeden Alters betreffen können. Diese hartnäckigen Wunden haben verschiedene Ursachen, von denen einige auf komplexe medizinische Bedingungen zurückzuführen sind.

2.1 Durchblutungsstörungen

Einer der Hauptgründe für chronische Wunden ist eine unzureichende Versorgung des betroffenen Gewebes mit Blut. Dies kann auf verschiedene Gesundheitsprobleme zurückzuführen sein beispielsweise Diabetes, Arteriosklerose oder andere Gefäßerkrankungen.

2.2 Druckgeschwüre (Dekubitus)

Menschen, die aus verschiedenen Gründen lange Zeit im Sitzen oder Liegen verbringen, sind anfällig für Druckgeschwüre, die oft schwer zu behandeln sind. Druckgeschwüre entwickeln sich meist direkt über einem Knochen, etwa an Hüften, Steißbein oder Ferse.
Die Tiefe eines Druckgeschwürs variiert von oberflächlichen Schädigungen der Haut bis hin zu tiefen, durch die verschiedenen Hautschichten hindurchreichenden Wunden. Die Schwere eines Druckgeschwürs wird in Stadien eingeteilt, wobei höhere Stadien auf tiefere Wunden hinweisen und eine angemessene Behandlung erfordern.

Es ist wichtig, Druckgeschwüre frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, um schwerwiegende Komplikationen zu verhindern.

2.3 Infektionen

Infektionen stellen eine ernstzunehmende Komplikation bei chronischen Wunden dar. Sie können den Heilungsverlauf erheblich beeinträchtigen und zur Ausbreitung der Wunde führen. Besonders problematisch sind Infektionen, die sich in tieferen Gewebeschichten entwickeln. Diese verlaufen häufig schleichend und zeigen an der Wundoberfläche zunächst keine typischen Entzündungszeichen wie Rötung oder Schwellung.

Stattdessen können subtile Veränderungen Hinweise auf eine beginnende Infektion geben – etwa eine Verschlechterung des Allgemeinzustands, unangenehmer Geruch, Verfärbungen des Wundgrunds oder vermehrte Absonderung von Sekret. Auch eine Veränderung der Konsistenz oder Farbe der Wundflüssigkeit (auch Exsudat genannt), z. B. gelblich-grün, dickflüssig kann ein Warnsignal sein.

Bleibt die Infektion unbehandelt, kann sie folgende Auswirkungen haben:

  • Zunehmende Entzündungsreaktion, mit möglichen Schmerzen, Schwellungen oder Überwärmung im weiteren Verlauf.
  • Verlangsamte oder stagnierende Heilung, da der Körper Ressourcen zur Infektabwehr statt zur Geweberegeneration einsetzt.
  • Zerstörung von umliegendem Gewebe, was zu einer Vergrößerung und Vertiefung der Wunde führen kann.

Eine frühzeitige und gezielte Diagnostik – inklusive mikrobiologischer Abklärung – ist daher essenziell, um geeignete therapeutische Maßnahmen einzuleiten.

2.4 Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Menschen mit Diabetes mellitus haben ein deutlich erhöhtes Risiko, chronische Wunden zu entwickeln – vor allem an den Füßen. Ursache dafür sind zwei häufige Folgeerkrankungen des Diabetes: Nervenschädigungen (Neuropathie) und Durchblutungsstörungen (Angiopathie). Diese beeinträchtigen die Wahrnehmung von Schmerzen und Druck sowie die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen.

Besonders das sogenannte Diabetische Fußsyndrom stellt eine ernstzunehmende Komplikation dar. Aufgrund der verminderten Empfindlichkeit bemerken Betroffene kleine Verletzungen oder Druckstellen oft nicht. Diese Wunden entzünden sich leicht, heilen schlecht und können sich zu tiefen Geschwüren entwickeln. Weil das Schmerzempfinden gestört ist, bleiben solche Wunden häufig lange unentdeckt und werden zu spät behandelt.

Unbehandelt oder unzureichend versorgt kann ein diabetisches Geschwür schwerwiegende Folgen haben:

  • Chronische Infektionen, die sich tief ins Gewebe ausbreiten,
  • Nekrosen (Absterben von Gewebe),
  • Amputationen, wenn das betroffene Areal nicht mehr gerettet werden kann.

2.5 Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis können nicht nur Gelenke, sondern auch die Haut in Mitleidenschaft ziehen – ein Aspekt, der oft übersehen wird. Dabei zählen Hautveränderungen und schlecht heilende Wunden zu den relevanten Begleiterscheinungen, insbesondere bei langjährigem Krankheitsverlauf.

Bei der rheumatoiden Arthritis greift das fehlgeleitete Immunsystem körpereigenes Gewebe an, insbesondere die Gelenkinnenhaut. Die daraus resultierenden chronischen Entzündungen verursachen Schmerzen, Schwellungen und Gelenkschädigungen – sie können aber auch die Haut indirekt beeinträchtigen.

Typische Hautprobleme im Zusammenhang mit rheumatoider Arthritis sind:

  • Verdünnung der Haut (Atrophie),
  • verminderte Durchblutung,
  • erhöhte Anfälligkeit für Druckstellen,
  • schlecht heilende Geschwüre, besonders an Ellenbogen, Fersen oder Schienbeinen.

Diese Wunden entstehen oft an mechanisch belasteten Körperstellen und heilen aufgrund der chronischen Entzündungsprozesse und eines geschwächten Immunsystems nur langsam. Zudem können begleitende Medikamente (z. B. Kortison, Immunsuppressiva) die Wundheilung zusätzlich beeinträchtigen.

Eine sorgfältige Hautbeobachtung und frühzeitige Wundversorgung sind daher essenziell – insbesondere bei Menschen mit aktiver rheumatoider Arthritis und längerem Krankheitsverlauf.

2.6 Tumorwunden

Bei Krebspatienten können Tumorwunden auftreten, die durch das Tumorwachstum selbst oder durch aggressive Krebstherapien wie Strahlentherapie oder Chemotherapie verursacht werden.

Eine krebskranke Frau im Rollstuhl mit Kopfbedeckung sitzt in einem Behandlungszimmer, im Hintergrund arbeitet eine Pflegekraft.

Tumorwunden werden oft als chronische Wunden betrachtet, da sie bestimmte Merkmale und Eigenschaften gemeinsam mit anderen chronischen Wunden teilen.

Hier sind einige Gründe, warum Tumorwunden als chronische Wunden klassifiziert werden können:

Langsame Heilung: Tumorwunden heilen oft langsamer als akute Verletzungen. Dies liegt daran, dass das Tumorwachstum das umliegende Gewebe beeinträchtigen kann, was die normale Heilung behindert.

Rezidivierend: Tumorwunden haben die Tendenz, wieder aufzutreten oder sich zu verschlimmern, selbst nach erfolgreicher Behandlung. Dies ist ein charakteristisches Merkmal von chronischen Wunden.

Komplexe Behandlung: Die Behandlung von Tumorwunden erfordert oft eine umfassende Herangehensweise, einschließlich chirurgischer Eingriffe, Bestrahlungstherapie, Chemotherapie und spezieller Wundpflege. Dies ähnelt der komplexen Behandlung von anderen chronischen Wunden.

Hohe Infektionsgefahr: Aufgrund des geschwächten Immunsystems von Krebspatienten sind Tumorwunden anfällig für Infektionen, was die Heilung weiter verzögern kann.

Langfristige Pflege: Die Pflege von Tumorwunden erfordert oft langfristige Betreuung und Unterstützung durch medizinisches Fachpersonal, ähnlich wie bei anderen chronischen Wunden.

Obwohl Tumorwunden einige Gemeinsamkeiten mit anderen chronischen Wunden aufweisen, ist es wichtig zu beachten, dass sie auch einzigartige Eigenschaften haben, die auf das zugrunde liegende Tumorwachstum zurückzuführen sind. Die Behandlung und Pflege von Tumorwunden erfordert daher eine spezialisierte Herangehensweise, die sich von der Behandlung anderer chronischer Wunden unterscheiden kann.

3 Behandlung von chronischen Wunden

Die Versorgung chronischer Wunden erfordert einen ganzheitlichen und interdisziplinären Ansatz. Neben medizinischer Expertise spielen eine konsequente Hygienepraxis und die fachkundige Betreuung durch speziell geschulte Wundexpert:innen eine zentrale Rolle.

Da es sich um langwierige und schwer heilende Gewebeverletzungen handelt, ist häufig eine individuelle, oft über Wochen oder Monate andauernde Therapie notwendig – abgestimmt auf die Ursachen, den Wundtyp und den Allgemeinzustand der betroffenen Person.

3.1 Wundreinigung und Infektionskontrolle

Wundreinigung und Infektionskontrolle gehören zu den wichtigsten Maßnahmen in der Versorgung chronischer Wunden. Sie fördern die Heilung und verringern das Risiko von Komplikationen.
Wundreinigung: Die Reinigung dient der Entfernung von Schmutz, Fremdkörpern und Keimen. Meist erfolgt sie mit steriler Kochsalzlösung oder speziellen Wundspüllösungen, um Reizungen zu vermeiden. Dabei ist ein behutsames Vorgehen wichtig, um gesundes Gewebe nicht zu schädigen oder die Wunde zu vergrößern.

Infektionskontrolle: Chronische Wunden sind besonders infektionsanfällig. Daher müssen sie regelmäßig auf Warnzeichen wie Rötung, Schwellung, Erwärmung oder Eiterbildung untersucht werden. Bei Verdacht erfolgt je nach Schwere eine gezielte Behandlung.
Beide Maßnahmen erfordern Fachwissen und sollten in der Regel von geschultem Pflegepersonal oder Wundexpert:innen durchgeführt werden. Eine sachgerechte Durchführung trägt maßgeblich dazu bei, die Wunde sauber zu halten, die Heilung zu unterstützen und Infektionen vorzubeugen.

3.2 Verbände und Abdeckungen

Nach der Wundreinigung folgt ein zentraler Schritt der Wundversorgung: das Anlegen geeigneter Verbände und Abdeckungen. Sie schützen die Wunde, fördern die Heilung und helfen, Komplikationen zu vermeiden.

Spezielle Wundverbände: Moderne Wundverbände schaffen ein feuchtes Wundmilieu, das die Zellregeneration unterstützt und die Wunde vor Austrocknung schützt. Je nach Wundtyp und Exsudatmenge nehmen sie überschüssige Wundflüssigkeit (Exsudat) auf, ohne die Wunde zu schädigen. Dadurch entsteht ein ideales Umfeld für die Gewebeheilung.

Druckverbände: Bei bestimmten Erkrankungen – etwa venösen Beingeschwüren oder Ödemen – kommen Druckverbände zum Einsatz. Sie unterstützen die Durchblutung und wirken Schwellungen entgegen.

Silberverbände: Diese Verbände enthalten antimikrobielle Silberanteile und kommen insbesondere dann zum Einsatz, wenn ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Sie hemmen das Wachstum von Keimen und wirken entzündungshemmend.

Abdeckungen: Zusätzliche Abdeckungen schützen die Wunde vor äußeren Einflüssen wie Schmutz, Bakterien oder mechanischer Reibung. Transparente Varianten ermöglichen es, den Heilungsverlauf zu beobachten, ohne den Verband abnehmen zu müssen.

Die Wahl des richtigen Verbandmaterials richtet sich nach Art, Stadium und Lokalisation der Wunde. Eine fachgerechte Einschätzung durch medizinisches Personal ist entscheidend, um die Heilung optimal zu unterstützen und Risiken zu minimieren.

3.3 Chirurgische Eingriffe

In bestimmten Fällen ist ein chirurgischer Eingriff notwendig, um die Heilung chronischer Wunden gezielt zu unterstützen und schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden. Diese Maßnahmen werden von spezialisierten Chirurg:innen durchgeführt und kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn konservative Methoden nicht ausreichen.

Débridement (Entfernung von infiziertem Gewebe): Befindet sich abgestorbenes oder infiziertes Gewebe in der Wunde, behindert dies die Heilung und kann zu systemischen Infektionen führen. Beim Débridement wird dieses Gewebe gezielt entfernt, um die Bildung gesunder Strukturen zu fördern und die Wundheilung zu verbessern.

Chirurgische Verbesserung der Durchblutung: Chronische Wunden, etwa an Beinen oder Füßen, entstehen häufig durch eine mangelhafte Durchblutung. Um die Gewebeversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen wiederherzustellen, können gefäßchirurgische Maßnahmen wie eine Bypass-Operation oder Angioplastie erforderlich sein.

Ziel dieser Eingriffe ist es, optimale Voraussetzungen für die Heilung zu schaffen – insbesondere dann, wenn konservative Therapien an ihre Grenzen stoßen.

Hauttransplantationen: In fortgeschrittenen Fällen, wenn sich Wunden nicht mehr von selbst schließen, kann eine Hauttransplantation erforderlich sein. Dabei wird gesunde Haut von einer anderen Körperstelle auf die Wunde übertragen, um den Wundverschluss zu ermöglichen und die Heilung zu beschleunigen.

Chirurgische Maßnahmen werden sorgfältig geplant und kommen meist dann zum Einsatz, wenn andere Therapien ausgeschöpft sind. Sie erfordern eine genaue Abwägung, eine strukturierte Vorbereitung und eine engmaschige Nachsorge.

Die Entscheidung trifft das medizinische Team individuell auf Basis des Krankheitsbilds. In ausgewählten Fällen können chirurgische Eingriffe nicht nur die Wundheilung verbessern, sondern auch Schmerzen lindern, Folgekomplikationen verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigern.

3.4 Medikamente und ergänzende Therapien

Zur modernen Wundbehandlung gehört auch der gezielte Einsatz von Medikamenten. Je nach Ursache und Verlauf der Wunde können verschiedene Wirkstoffgruppen helfen, Schmerzen zu lindern, Infektionen zu bekämpfen und die Heilung zu fördern. Ergänzende Therapien wie die hyperbare Sauerstoffbehandlung können in ausgewählten Fällen zusätzlich unterstützen.

Schmerz- und Entzündungsmedikation:
Chronische Wunden gehen häufig mit Schmerzen und Entzündungen einher. Je nach Schweregrad kommen entzündungshemmende Wirkstoffe (z. B. Ibuprofen oder Diclofenac) sowie lokal oder systemisch wirkende Schmerzmittel zum Einsatz. Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität und die Schaffung günstiger Bedingungen für die Heilung.

Antibiotikatherapie:

Bei klinisch infizierten Wunden mit Zeichen einer Ausbreitung kann eine gezielte Antibiotikatherapie notwendig sein – in der Regel nach mikrobiologischer Diagnostik. Lokal angewendete Antibiotika kommen heute nicht mehr zum Einsatz.

Antiseptische Wundbehandlung ersetzt heute weitgehend die lokale Antibiotikagabe. Hier kommen z. B. Wundauflagen mit Silber, Polyhexanid (PHMB), medizinischem Honig oder Iod zum Einsatz. Diese wirken keimhemmend, fördern die Wundreinigung und senken das Infektionsrisiko – ohne die Nachteile klassischer Antibiotika wie Resistenzbildung oder Allergiepotenzial.

Antikoagulanzien (Blutverdünner):

Bei venösen oder arteriellen Wundursachen kann die Gabe von Blutverdünnern (z. B. ASS oder Heparin) helfen, die Durchblutung zu verbessern und Gefäßverschlüsse zu verhindern.

Vitamine und Nahrungsergänzung:

Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C, Zink, Eiweiß und Eisen ist entscheidend für die Wundheilung. Bei Mangelzuständen können entsprechende Präparate die Heilung unterstützen.

Ergänzende physikalische Therapie: Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO-Therapie)

Die HBO-Therapie ist keine Medikation im klassischen Sinne, sondern eine physikalische Zusatzbehandlung. Sie kann bei schlecht heilenden Wunden, insbesondere bei Durchblutungsstörungen oder diabetischen Fußulzera, die Sauerstoffversorgung im Gewebe deutlich verbessern.

Dabei atmet die betroffene Person in einer Druckkammer reinen Sauerstoff unter erhöhtem Umgebungsdruck ein. Der Sauerstoffgehalt im Blut steigt dadurch stark an – was die Zellregeneration fördert, Entzündungen hemmt und die Heilung beschleunigen kann.

Die HBO-Therapie wird ausschließlich in spezialisierten Zentren angeboten und erfordert eine ärztliche Indikation. Die Anzahl der Sitzungen richtet sich nach dem individuellen Heilungsverlauf.

Diese medikamentösen und ergänzenden Maßnahmen sind stets Teil eines individuell abgestimmten Wundtherapieplans – abgestimmt auf die Ursache, den Wundtyp und den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.

4 Prävention von chronischen Wunden

Die Prävention von chronischen Wunden spielt eine entscheidende Rolle in der Gesundheitsversorgung und im Wohlbefinden von Menschen weltweit.

Chronische Wunden sind belastend und teuer – mit den richtigen Maßnahmen lassen sich viele jedoch verhindern oder frühzeitig eindämmen.

4.1 Lebensstil

Ein gesunder Lebensstil ist entscheidend, um chronischen Wunden vorzubeugen. Eine nährstoffreiche Ernährung, regelmäßige Bewegung und die konsequente Kontrolle von Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck senken das Risiko für Wundentstehung deutlich.

Vier runde Fotos nebeneinander mit dem Titel ‚Gesunde Lebensweise‘. Von links nach rechts: ein Teller mit Brot, Kartoffeln, Omelett und Salat (ausgewogene Ernährung); eine Person auf einem Fahrrad am Strand (regelmäßige körperliche Aktivität); ein Arztgespräch mit Formular (Risikofaktorenkontrolle); zwei Hände zerbrechen eine Zigarette (Rauchverzicht).

Ernährung: Eine ausgewogene, eiweißreiche Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen stärkt Haut und Gewebe. Frisches Obst, Gemüse und nährstoffreiche Lebensmittel fördern die Widerstandskraft des Körpers gegenüber Verletzungen und Infektionen. Besonders wichtig ist eine ausreichende Proteinzufuhr, da Eiweiß für die Zellneubildung und Wundheilung unerlässlich ist.

Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert die Durchblutung, aktiviert den Stoffwechsel und unterstützt die Hautgesundheit. Gerade bei pflegebedürftigen oder immobilen Menschen helfen bereits einfache Bewegungsübungen, um Druckgeschwüre zu verhindern und die Hautintegrität zu erhalten.

Risikofaktoren kontrollieren: Chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck erhöhen das Risiko für schlecht heilende Wunden. Eine gute Blutzuckereinstellung und ein stabiler Blutdruck sind essenziell, um Durchblutungsstörungen und Nervenschäden vorzubeugen.

Rauchstopp: Rauchen verschlechtert die Sauerstoffversorgung des Gewebes und verzögert die Wundheilung. Der Verzicht auf Nikotin verbessert die Durchblutung und senkt das Risiko für chronische Wunden erheblich.

Alkoholkonsum und Drogen: Übermäßiger Alkoholkonsum und der Gebrauch von Drogen beeinträchtigen die Immunfunktion, schwächen die Wundheilung und fördern Entzündungsprozesse. Auch indirekt – durch Mangelernährung, Leberfunktionsstörungen oder Vernachlässigung der Körperpflege – wirken sie sich negativ auf die Wundgesundheit aus. Ein bewusster Umgang mit diesen Substanzen ist daher ein wichtiger Teil der Wundprävention.

4.2 Fußpflege bei Diabetes

Eine gute Blutzuckereinstellung, tägliche Fußpflege und die frühzeitige Behandlung kleinster Verletzungen sind entscheidend, um Wunden bei Diabetes zu vermeiden. Präventive Maßnahmen wie geeignetes Schuhwerk und regelmäßige Podologie leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung der Füße.

Diabetes kann die Sensibilität der Füße verringern und die Heilung verzögern. Deshalb ist eine sorgfältige und konsequente Fußpflege für Betroffene besonders wichtig – idealerweise eingebettet in den Alltag.

Collage mit verschiedenen Symbolen für Diabetes: Blutzuckermessgerät, Spritzen, Tabletten, Maßband, das Wort ‚Diabetes‘ in rosa Buchstaben und ein diabetischer Fuß mit einer offenen Wunde am Zeh.

Diabetes schwächt Haut und Gewebe – regelmäßige Kontrolle und Pflege beugen chronischen Wunden wirksam vor.

Tägliche Inspektion: Füße täglich auf Risse, Druckstellen, Blasen oder Verletzungen prüfen – auch zwischen den Zehen. So lassen sich Veränderungen frühzeitig erkennen und behandeln.

Fußhygiene: Mit lauwarmem Wasser und milder Seife waschen, gut abtrocknen – besonders zwischen den Zehen. Feuchtigkeit vermeiden, um Infektionen vorzubeugen.

Feuchtigkeitspflege: Trockene Haut mit einer geeigneten Creme pflegen, jedoch nicht zwischen den Zehen auftragen.

Nagelpflege: Fußnägel regelmäßig, aber vorsichtig kürzen – am besten gerade schneiden, um eingewachsene Nägel zu vermeiden. Verletzungen an der Nagelhaut oder im Nagelfalz können zu gefährlichen Infektionen führen. Bei Unsicherheiten sollte die Pflege durch eine medizinische Fußpflege erfolgen.

Schuhwahl: Bequeme, druckfreie Schuhe tragen. Diabetikerschuhe bieten zusätzlichen Schutz.

Barfußlaufen vermeiden: Niemals barfuß – weder drinnen noch draußen. Verletzungen bleiben oft unbemerkt und können schwerwiegende Folgen haben.

Professionelle Fußpflege: Regelmäßige Kontrollen bei podologischen Fachkräften helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Blutzuckerkontrolle: Ein stabiler Blutzuckerspiegel fördert die Wundheilung und schützt das Gewebe.

Eine konsequente Fußpflege schützt vor Komplikationen wie Geschwüren oder Amputationen. Wer seine Füße regelmäßig pflegt und Veränderungen ernst nimmt, erhält langfristig Mobilität und Lebensqualität.

4.3 Druckentlastung

Die Druckentlastung ist ein zentraler Bestandteil der Vorbeugung von Druckgeschwüren (Dekubitus), besonders bei Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Diese schmerzhaften Haut- und Gewebeschäden entstehen durch anhaltenden Druck auf bestimmte Körperstellen – etwa beim langen Sitzen oder Liegen ohne Positionswechsel.

Eine Pflegekraft in blauer Kleidung lagert einen älteren Mann im Bett auf die Seite. Der Mann liegt mit geschlossenen Augen auf einem Kissen und wirkt entspannt.

Durch gezielte Umlagerung lassen sich Druckstellen frühzeitig entlasten – ein zentraler Schritt zur Vorbeugung von Dekubitus bei bettlägerigen Personen.

Umlagerung: Die regelmäßige Veränderung der Liege- oder Sitzposition entlastet gefährdete Körperstellen. Besonders bei bettlägerigen Personen sollte die Position alle zwei bis drei Stunden gewechselt werden – durch Pflegekräfte, Angehörige oder geeignete Hilfsmittel.

Druckentlastende Hilfsmittel: Spezielle Matratzen, Auflagen und Sitzkissen verteilen den Druck gleichmäßiger, fördern die Durchblutung und beugen Hautschäden vor. Diese Produkte sind besonders bei dauerhaftem Sitzen oder Liegen empfehlenswert.

Hautpflege: Saubere, gut durchblutete Haut ist widerstandsfähiger. Sanfte Reinigung, das Vermeiden von Feuchtigkeit und der Einsatz feuchtigkeitsspendender Lotionen helfen, die Haut gesund zu halten.

Bewegungsförderung: Auch bei Bewegungseinschränkungen sollten kleine Aktivitäten oder unterstützte Bewegungsübungen in den Alltag integriert werden. Sie fördern die Durchblutung, aktivieren die Muskulatur und verringern das Dekubitusrisiko.

Eine ältere Frau sitzt lächelnd im Rollstuhl und unterhält sich mit einer jüngeren Pflegekraft in blauer Kleidung, die ihr freundlich die Hand hält. Beide wirken fröhlich und zugewandt.

Auch im Sitzen ist gezielte Druckentlastung entscheidend – spezielle Hilfsmittel und Bewegungsanreize fördern die Hautdurchblutung und senken das Dekubitusrisiko.

5 Fazit

Chronische Wunden, einschließlich Tumorwunden, stellen eine große medizinische Herausforderung dar und erfordern oft langwierige Behandlungsverläufe.

Eine vollständige Heilung ist nicht immer möglich – umso wichtiger ist es, das Ziel auf bestmögliche Lebensqualität zu richten. Wenn Heilung nicht erreichbar ist, steht die Linderung von Beschwerden im Vordergrund.

Prävention spielt eine zentrale Rolle. Wer frühzeitig medizinische Hilfe in Anspruch nimmt und aktiv an der Wundversorgung mitwirkt, kann Heilungschancen verbessern und Komplikationen vermeiden. Dazu zählen eine gesunde Lebensweise, ausgewogene Ernährung, Bewegung sowie die Kontrolle von Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck.

Chronische Wunden erfordern eine ganzheitliche Herangehensweise – mit einem Zusammenspiel aus medizinischer Versorgung, fachpflegerischer Betreuung und aktiver Patientenbeteiligung. Nur so kann eine stabile Versorgung und Lebensqualität für Betroffene erreicht werden.


Verwendete Quellen & weiterführende Informationen

  • DNQP – Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (2015). Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden. 1. Aktualisierung. Osnabrück: DNQP. Bezugsquelle: Fachhochschule Osnabrück, Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Postfach 1940, 49009 Osnabrück.
  • DNQP – Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (2017). Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. 2. Aktualisierung. Osnabrück: DNQP. Bezugsquelle: Fachhochschule Osnabrück, Fachbereich Wirtschaft, Postfach 1940, 49009 Osnabrück.
  • Jacobs K. et al. (Hrsg.) (2018). Pflegereport 2018. Qualität in der Pflege. Berlin: Springer Verlag.
  • AWMF / DGfW (2023). S3‑Leitlinie „Lokaltherapie schwer heilender und/oder chronischer Wunden aufgrund PAVK, Diabetes mellitus oder chronischer venöser Insuffizienz“. Version 2.2, Stand 31.10.2023. Leitlinie als PDF
  • Millán‑Reyes et al. (2025). Reducing Infections and Improving Healing in Complex Wounds: A Systematic Review and Meta‑Analysis. Journal of Clinical Medicine, 14(9):3237. Artikel als DOI-Link
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